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Willkommen Heute, Hier und Jetzt

wo du von Zeit zu Zeit ein paar Fotos und Notizen findest
Berlin Kreuzberg

von Wis - Wieslaw Sadurski

2001-04 2005-08 2009 in German 2010 2014 Heute
 

1.01.2009

Wirtschaftskrise? Für die Verluste der Reichen zahlen immer die Armen!

 
1.02.2009

Wenn man Einstein und der Quantenmechanik glauben darf, so sind bereits alle Ereignisse unseres Daseins vom Geburt bis zum Tod im Raum-Zeit-Kontinuum anwesend. In einem Lichtdiagramm, welches nicht unseren Vorstellungen entspricht, lässt es sich ausruhen, Illusionen verwerfen, leben. Wissen oder Unwissen - wem kümmert es, da schon alles da ist?
Also beruht alle Anstrengung des Lebens - die Fülle erfüllen?

 
7.02.2009

Heute habe ich meine wisarts update 4.0 hochgeladen. Ich prüfe die Links zwischen den Seiten und Sprachversionen.
 

22.02.2009

Was bedroht die Menscheit und unseren Planeten? Die Wirtschaftskrise? Der Klimawandel? Vielleicht die nukleare Ambitionen des Iran oder Nord Koreas? Ja, sicher, wenn man kurzfristig denkt!
Aus geschichtliche Perspektive gesehen stellen Reiche, Besitzende und sonstige Bourgeoisie die grösste Bedrohung dar. Ihre Kultur von allen Medien und Bildschirmen geschätzt, von allen Katedern und Kanzeln propagiert und von vielen Bütteln verkauft.

 
Winter 1, foto Wieslaw Sadurski Winter 2, foto Wieslaw Sadurski Winter

Dark night white snow
 

24.02.2009

Ich verrate Dir etwas; es ist alles aus Liebe.
Eher zurückhaltend in offentlichen Auftritten träume ich von einem Happening. Bin nämlich ein Fachmann im Entzünden von Feuern. Stell Dir das vor, denn für Dich mühe ich mich mit der Beschreibung. Kenne sogar den Platz wo die Veranstaltung stattfinden könnte. Weit weg vom bebautem Gebiet, damit das Feuer nicht übergreifen kann.
Was aus Feuer enstand...Schwarze Wolken, foto Wieslaw Sadurski
Beginne den Bau mit kleinen Ölbildern. Stelle sie zum Kartenhaus zusammen. Darauf kommen Kartons, Zeichnungen, grössere Leinwände, Graphiken. Unter einem bestimmten Winkel aufgestellt sollte das Ganze möglichst luftdurchlässig sein. Habe ungefahr 500 Leinwände und Tausende von Papierarbeiten. Es wächst ein grosse Konstruktion. Als Abschluß lege ich zwei bis drei Meter große Leinwände darauf. Sie glühen so herrlich im vollem Licht. Der Pyramidenähnlicher Bau verfügt über eine kleine Öffnung, durch welche man ins Innere schlüpfen kann.
Jetzt ist es vollendet.
Und nach eine Ruhepause begisse ich das Ganze mit Terpentin und Leinöl, dabei deren Reste verbrauchend. Ich schlüpfe ins Innere der Konstruktion und nehme Platz im Lotussitz. Rauche die letzte Selbstgedrehte dabei den Bildern Feuer reichend! Was aus Feuer enstanden soll sich auch im Feuer erfüllen!
So ist meine avangardistische Art mit Kunst umzugehen. Unrealistisch; wie alles was ich anfasse. Weil -
zum Ersten - angeblich habe ich eine Tochter und viele Freunde, aber niemand hilft mir beim tragen. Zum Anderen - löschen die Schweinehunde das Feuer bevor der Joint verraucht ist. Anschliessend legen sie mir Handschellen an für die illegale Nutzung öffentlichen Raumes. Oder noch schlimmer, eine Geldstrafe! Na ja; vielleicht kriege ich Ratenzahlung. Ich frage mich (denn wen sollte ich in dieser Einsamkeit fragen): - Wie kann man in solchen Verhältnissen Künstler sein! Es ist zum Kotzen.

 
Krematorium, foto Wieslaw Sadurski

24.03.2009


Dieses merkwürdige Licht führt in den Raum des Todes.
Ein ovales weißes Ei hängt über dem Wasser.
Den Sinn erschließt sich mir nicht, weil -
ich noch nie zuvor in einem Krematorium war?

Petra Skrzyposzek ruht da im hellen Sarg.
Petra Skrzyposzekim hellen Sarg, foto Wieslaw Sadurski
 

Was gibt's Neues in wisarts Frühling 2009?
Ich habe die meisten meiner Bilder jetzt als Kunstdrucke auf Leinwand gestaltet.


Das war das kürzeste Jahr auf den Seiten von 'Hier und Jetzt'.
Kennst du den Begriff 'Scheuklappen' in Zeiten in denen es kaum noch Zugpferde gibt? Es sind Klappen die den Blick nach vorne richten. Ich legte Diese an während ich mein ganzes Lebenswerk mit eine hochauflösenden Kamera fotografierte. Bildbearbeitung, scannen, Druckvorbereitung. Das ganze dauerte ein Jahr. Warum so lange? Weil die Fotografie jeden Knoten, Fliegenschiss, und in Farbe getauchtes Pinselhaar auf der Leinwand unerbittlich enthüllt. Und weil ich im Photoshop mit Gigabyte-schweren Bildern hantieren musste... Sorgfältige Retusche, Probedrucke... Und warum?
Libelle und Kerze, photo by Wieslaw Sadurski
Es geht um einen Diamanten!
Den Menschen geht's um die Freiheit. Zu meist wollen sie etwas verdienen, um wie es ihnen scheint, danach frei davon leben zu können. Ich stelle fest, das Besitzlosigkeit eine Bedingung für wahres und nicht imaginiertes Leben ist. Auf meinem T-shirt stand die Parole 'STOLZ ARM ZU SEIN'; ich trage es bis heute. Habe ein gutes Gewissen, habe nie Schulden, dafür aber keine Winterschuhe.

Was ist derartiges passiert, dass sich meine Einstellung ändert?!

Die neue wisarts stellt nicht nur meine Kunstwerke vor, wie seit 2000, sondern es ist ein Laden, ein Geschäft! Hier will jemand Geld verdienen! Herr Sadurski Wieslaw, sind sie auf ihr Alter in den Dienst der Bourgeoisie getreten?
Dir erkläre ich's. Bin 69, meine Tochter Veronique bereits 23. Als sie zehn Jahre alt war, haben wir die Unsterblichkeit miteinander vereinbart. Heute glauben wir nicht mehr an Sie. Und sterben muß man trotzdem. Meine Eltern sind lange tot. Viele Jahre davor kauften sie bereits eine Grabstelle auf dem Friedhof. Es war alles vorbereitet. Wandle in ihren Spuren, doch ich ekle mir vor dem Tod und vor den ihn begleitenden Ritualen und dem Leichenschmaus. Ich feiere die neuen Technologien!
Ich muss mir nun den Abschied vom dieser Welt erst verdienen.
Denn nach meinem Tod verschickt mich meine Tochter nach Holland, und dort machen sie aus Papi einen Diamanten. Gigantische Temperaturen und Druckverhältnisse (ähnlich dem Leben des kreativen), eine interessante Technologie. Man kann wählen Farbe, Art der Schliff- und Fassung. Also weiss ich Bescheid.

METHAN
 
Der Methan raub mir seit Jahren den Schlaf, und ich habe dir nicht darüber berichtet. Methan entsteht durch Zerfall organischen Materials unter Ausschluss von Sauerstoff. Seine Verbrennung ist 23 Mal schädlicher für unser Klima als Kohlendioxid. Bei einem Verhältnis von 15% verbrennt es an der Luft beinah russfrei mit eine helle Flamme. Das Mischverhältnis von 1 zu zehn ist explosiv und verursacht furchtbare Unglücke im Bergbau.
Riesige Methanmengen sind gebunden im Permafrost.
Die Erde erwärmt sich. Der siberischer Jäger deutet auf eine blubbernde Lache, stülpt darüber einen Glassbehälter und nach eine Minute hebt er es in die Höhe und entzündet es. Eine helle Flamme wird vor dem Kameraauge sichtbar.
Methan ist Farb- und geruchlos, und als Gas ist es leichter als Luft, und erhebt sich daher in höhere Regionen unsrer Atmosphäre. In den letzten 200 Jahren ist seine Menge dort um 200% gestiegen.
Auf dem Boden der Ozeane lagern 10 000 Billionen Tonnen in Form von Methanhydrat. Beachte, Methan schmilzt schon bei Temperaturen von minus 160 Grad Celsius. Die wachsende Erwärmung der Ozeane könnte bewirken, dass das Methan freigesetzt wird, und somit Meere und Ozeane von Gasblasen überzogen sein würden. Der erstbeste Blitz könnte die ganze Atmosphäre entzünden...
Dies ist es was mir den Schlaf raubt! Meine Schreckensvision: brennende Ozeane von einem Horizontende bis zum anderen. Es könnte das Leben bis zur letzten Bakterie auslöschen. Eine völlig neue Art von Apokalypse.
Kannst du etwas dagegen tun? Ich weiss nicht, aber ich ernähre mich gesund, um nicht zu furzen...

My Berlinczycy! / Wir Berliner!

Bilder einer Ausstellung - oder - wie hoch hüpfen polnische Adler?

Wir Berliner 1, foto Wieslaw Sadurski Wir Berliner 4, foto Wieslaw Sadurski Wir Berliner 5

20. März bis zum 14. Juni 2009

My Berlinczycy! / Wir Berliner! - die größte polnische Ausstellung aller Zeiten - 300 Jahre Polen in Berlin, in zwei Museen, Ephraim-Palais und Märkisches Museum. Hast du nichts besseres vor, dann schaue vorbei.

Viele Räume und jeder anders gestaltet! Man sieht sofort worum es geht!
Polnische AUSSTELLER STELLEN IHRE AUSSTELLUNGS-TALENTE AUS!

Die polnische BOURGEOISE FEIERT IHRE FEIERN! Ob polnische, deutsche oder chinesische - alle gleich...

 
 
Wir Berliner 2, foto Wieslaw Sadurski
Wir Berliner 3, foto Wieslaw Sadurski
 
Wir Berliner, Sehnsucht, foto und Ölbild Wieslaw Sadurski

Ich zeige Dir einige Fotos; achte auf die großen Buchstaben! Uff, so hart haben die Mädels und Jungs gearbeitet! Ob sie auch genug verdienten?

Man sieht viele Bilder, sogar ein Schönes, siehe links. Leider ohne Titel oder Name des Malers. Aber ein altes Radio steht darunter - und wenn dir etwas nicht gefällt, kannst du dich ausschalten!

Bravo polnische Adler! Alles ist durchdacht, d.h. ausgedacht und prätentiös. Kein Wort vom berühmten polnischen Markt und polnischen Punks in Berlin. Sie passen nicht in ihre Vorstellungen und ihre Verdienste.

Ich erinnere mich an Künstlerfreunde in meiner Jugend die im Frühling verbissen an ihren graphischen Projekten zur Arbeiter- und Bauernfeier am 1 Mai arbeiteten. Das war der größte Reibach des Jahres. Hier in Berlin macht die Posner Werkstatt 'Ptasia 30' den Reibach ihres Lebens.
Gestalterische und plastische Konzeption der Ausstellung: Danuta Slomczynska.
Graphische Bearbeitung: Sylwia Klimczak, Rafal Koczan, Marcin Markowski, Robert Mieniok, Pawel Szurek.
Technische Bearbeitung: Eliza Karczynska, Katarzyna Mucha-Wisniewska, Zuzanna Paul.
Umsetzung: Mitarbeiter von 'Pracownia Ptasia 30'.
Ich führe eure Namen auf damit klar ist wem ich diesen Vorfall verdanke!
Und ich bin voll verrückt mich damit zu befassen.

 

28.03.2009

Exakt zwei Jahre ist es hier dass mich drei junge Araber überfielen und meinen Kopf mittels eines Schlagringes bearbeiteten. Ich bin ziemlich alt und eher langsam, keine Chance sie zu finden, keine Chance sechs Füsse zu durchlöchern. Wahrscheinlich sitzen sie längst im Knast oder einem Al-Kaida Ausbildungslager.
Ich entsagte der Nahrung und dem Wein damit es sich erfüllt! Und sieh, heute beim Spazieren wärmt mein kleiner Browning Revolver von hinten meine Hüfte. Ich trage ihn nicht weil ich etwas fürchte, sondern weil ich ein paar Füsse erschiessen möchte. Ob sich wohl eine Gelegenheit ergibt?

FRÜHLING
 

29.04.2009

Ein kleines Schwarzes Loch huschte durchs Sonnensystem. Hast du davon gehört? Es war sehr schnell, hat keine Schaden angerichtet, die Masse ihrer Gravitation bewirkte jedoch, dass mitten in der Nacht die Sonne deformiert wurde und eine elliptische Form annahm. Du bemerkst es kaum, und hast keine Ahnung wie viel Arbeit ich damit hatte die Sonne wieder rund zu kriegen!

 

24.04.2009

Wie kann das sein? Das nicht Existente raubt mir mehr Zeit als das Offenbarte! Male was nicht da ist, erinnere was nicht da ist, und liebe was nicht da ist! Möge es dir im Traum erscheinen.

Himmel blau, foto Wieslaw Sadurski
 
Nur im Frühling ist der Himmel blau!
 
Traum Architektur, foto Wieslaw Sadurski
Wieslaw Sadurski, April 2009
volle Blüte, foto Wieslaw Sadurski
Traumhafte Architektur aus dem Sonnenlicht, Schatten und Kirschblüten.
Ich spaziere, mache Fotos und
entspanne anschließend mit den Kirschblüten.
Einfach ist Liebe im Frühling.
Ich wünsche dir volle Blüten.
SOMMER
Und was ich am Sommer mag?

Kwiaty lipy, foto Wieslaw Sadurski

strahlender Geruch von blühenden Lindenbäumen,

Hitze und Kälte,

Gewitter und Regen,

heranwachsende Ernte,

Lachfestiwal 1, foto Wieslaw Sadurski
Lachfestiwal 3, foto Wieslaw Sadurski
Lachfestiwal 2, foto Wieslaw Sadurski
die heitere Kinder auf dem Lachfestiwal, Mariannenplatz,
Sonne zwischen Wolken, foto Wieslaw Sadurski Pappelsamen, foto Wieslaw Sadurski Marek Porebowicz, foto Wieslaw Sadurski
Sonne zwischen Wolken, Pappelsamen auf der Wiese, Marek Porebowicz Besuch aus Warszawa,

ich fotografiere und tanze, foto Wieslaw Sadurski



Neil Young in 02world, foto Wieslaw Sadurski
fotografieren und tanzen
auf dem Konzert von Neil Young in 02world!
 

Lindentyp, foto Wieslaw Sadurski
Vielleicht erwähne ich noch was ich nicht mag.

Ich mag nicht Schweinefressenden Regierungen des Westens. Ich mag nicht die Hammelfressenden Regierungen des Ostens.

Ich mag keine Kriege, keine Armeen, keine Mörder und Betrüger.

Ich mag keine Mullahs, keine Prälaten, keine Ayatollahs, keine Bischöfe, keine Muftis, keine Propheten, keine Imame, keine Popen, keine Pastoren, Kardinäle und Rabbiner.

In den seltenen Momenten, wo ich mit Sachen beschäftigt bin die ich nicht mag - mag ich mich selber nicht.

 

Es war die Rede davon, was ich mag und was nicht. Also - was begeistert mich?
Astrophysik und Atomphysic, molekulare Biologie, Nanotechnologien, Geschichte des Lebens und der Zivilisation, Paradoxien des Lichts, Zeit und Raums, Forschung und Raumflüge, das so eben enteckte 112-te Element mit dem Namen Cp (Copernicus), politische Nachrichten über Gutes und Böses, die Explosivität der menschlichen Erfindungsgabe beim kreieren neuer sauberer Technologien, die Wiederansiedlung von Tieren und Vögeln deren Populationen schon vernichtet schienen... Du meine süsse Liebe, die Aufzählung könnte unendlich fortgehen... Doch dies alles ist vergänglich, empfindlich für Eingriffe des Todes oder des Zufalls...

Eine Zugabe um Mitternacht: worauf verzichte ich!
Ich entsage der Teilnahme an der Kultur und Kunst! Das ganze Leben war ich in diesem Bereich tätig, doch zum umkehren ist nie zu spät.
Die Kultur ist wie industrielle Lebensmittel - ernährt heute, vergiftet für immer. Ohne Kultur gibt es keine Menschlichkeit, dank der Kultur ist alles in Arsch.

Schreibe mehr nach dem Nickerchen... Oder auch nicht.

Gestern 16.07.2009 löschte ich von dieser Seite eine hübsche Reportage. Darin erzählte ich, wie auf der Ausstellung in Uppsala im Winter 1970 eine Zeichnung, 'gekreuzigter Einhorn', von mir verloren ging, über welche sich eine polnische Besucherin empörte. Holte es aus dem Rahmen und zerriss es in kleine Fetzen. Der Galerist erwischte sie auf dem Bahnsteig und kassierte den Gegenwert in Anwesenheit der Polizei...
Errinerungen...
Beachte, dass ich 69 bin, und was soll ein Alter tun ausser in Erinnerungen zu schwelgen!
Veronique 09, foto Wieslaw Sadurski
Meine Tochter Veronique ist 22. Sie wurde in Kreuzberg geboren und spricht ausgezeichnet Polnisch. Sie ist eine Patriotin, keine Rede von der Annahme der deutschen Staatsbürgerschaft! Sie besitzt den polnischen Pass, wie ich. Warum also wollte sie ihn heute zerreissen? Vor etwa einem Jahr verplichtete sie sich für Polen etwas zu tun, doch heute wurde ihr klar, dass man ihre Arbeit misachtet. Ich hätte ihr diese Erfahrung gerne erspart.
- Meine Tochter - erkläre ich in langer Rede - hege keinen Groll gegenüber Polen oder Italienern, denn hier geht es nicht um Nationalitäten, Pässe oder Hautfarbe! Hier geht es um den Dünkel der Bourgeoisie, die immer bereit ist dich so weit wie möglich auszunutzen.

Das Leben verlangt nach Berichterstattung! Ich werde berichten. Ehrlichkeit ist eine starke Waffe! Deshalb benutze ich sie nicht zu oft. Veronique weiss nichts von Sehnsucht! Die Unwissenheit, schütze dich!
Natürlich bin ich ehrlich und wahrheitsliebend, aber nicht aus Gründen oder Überzeugung des Glaubens an eure verdammten menschlichen Normen, sondern aus Bequemlichkeit, die mir erlaubt z.B. alles zu vergessen und mich nicht zu verlieren.

 

 

17.07.2009

Der Oleander hat es gut diesen Sommer auf unserem Balkon.
Der Weisse war ein Steckling von Familie Pasnik aus Belzyce von vor 15 Jahren. Der pinkfarbene erinnert sich nicht mehr seines Ursprungs. Womöglich stammt er aus Charlottenburger Schlossgarten von vor 30 Jahren.
Oleander in ewiger Umarmung.

Nach einer Woche Hitze, kam grosses Gewitter mit Regen und Donner und es kühlt sich ab. Abends regiert der Sommer, dort und hier. Welt, dank dir dafür!

Oleander, foto Wieslaw Sadurski
 

18.07.2009

Professor Leszek Kolakowski ist tot. Weine unser Herz! Ehre seinem Gedächtnis.
1960, meine Aufnahmeprüfung an der philosophischen Fakultät der Warschauer Universität, zehn Anwärter auf einen Studienplatz! Die Alternative hieß, entweder ich bestehe oder ich muss zum Kommiss, die Fahrkarte schon in der Tasche. Die schriftliche Prüfung verlief ausgezeichnet, 18 Seiten über 'Steppenwolf'. Die mündliche Prüfung; eine Tischreihe, dahinter eine Gruppe berühmter Professoren, ich im Lampenfieber. Frau Prof. Kotarbinska stellte fest, dass mein Abitur ein technisches war, und hier soll über Logik geprüft werden. Ja, doch, ich bin ein Radiotechniker, deshalb musste ich für die Prüfung über Logik alleine lernen! Drei lächerlich einfache Fragen... Zum Thema Pythagoras eher ein Gespräch als eine Prüfung bei Prof. Legowicz. Und Professors Kolakowskis Frage: - Welches philosophische Werk hast du zuletzt gelesen? Meine Antwort - Spinoza! - Schmunzelnd bittet er mich zu erzählen. Die anderen Prüfer schienen ebenfalls amüsiert. Ich redete so lange bis sie genug davon hatten. Das war alles!
Nach der Prüfung gingen wir auf einen Tee. Auf dem Weg dorthin erblickte ich im Schaufenster einer Buchhandlung das frisch erschienene Werk von Leszek Kolakowski über Spinoza. Jetzt verstand ich sein Schmunzeln...
Jahre des Studiums, Vorlesungen und Seminare, schreiben von Gedichten, Leben in Freiheit, wunderbare Zeit. Bis dahin. Nach den Märzereignissen von 1968 vertrieb man unseren geliebten Professoren als Revisionisten in alle Windrichtungen! Professor Kolakowski lehrte in Oxford. Ich las viele seiner Schriften, ab der Mitte meines Lebens mit Mitleid dass er keine Antwort auf die ihn bedrängenden Fragen fand.

Ich weiss es nicht. Denkst du dass Wissen und Weisheit beim sterben helfen? Vielleicht betreffen sie nur das Leben?

 

21.07.2009

     
Lawende, foto Wieslaw Sadurski
Platan, foto Wieslaw Sadurski

Love 09, foto Wieslaw Sadurski
Der Lavendel blüht,
von den Platanen fällt die Rinde,
und auf jedem Stück Rinde ein Wort.
 

Täglich gehe ich aus dem Haus und bewege mich in einem Radius von etwa 500 Metern. Im Grau des Regens schöne Welt, flitzen Blitze und Gewitter. Gehe zur ersten Sitzbank an der Ecke, setze mich und pfeife vor mich hin, da ich jeden Tag meinen Blues übe. Begeisterung, die Geheimwaffe gegen die Welt. Es wird still, der Regenbogen über der Schillingbrücke belauscht mich, es tauchen Worte auf zu dieser Melodie... Bewundere die zarten Harmonien des Rosa, des Violets und des Blaus. Bienen, Hummeln, Marienkäfer und andere geflügelte Wesen... Die Harmonie der Farben ist ihre Ernte...
Ein Viertelstunde an der Sonne später, eine Parkbank auf dem Mariannenplatz. Rauschen der Blätter, das Geräusch der auf die Erde stürzenden Platanenrindenstücke... Vergaß ich bereits die Worte zu der Melodie, wozu brauche ich Worte! Die Platanen sind reif, es ist der Gipfel des Sommers. Ich höre, schaue, fotografiere und als ich nach einer Dreiviertelstunde im Cafe ankomme, da fühle ich meine Schwäche kaum noch. Ich bin doch gesund!
Seit Wochen gar keine Rückenschmerzen, langsam ändert sich mein Leben. Im Frühjahr liess ich mich untersuchen und man fand keine Spuren meines Herzinfarkts, der Blutdruck 130 zu 80 und alle Blutwerte im Rahmen des Normalen. Also habe ich mich selbst geheilt! Ich möchte nur erwähnen dass ich nach dem Infarkt ein ganzes Jahr vier Medikamente dreimal täglich schlucken musste, und es sollte so bis zum Lebensende bleiben. Intensive makrobiotische Studien und die praktische Anwendung dieses Wissens bewirkten dass ich, nach dem man mir die Dosis verdoppelte, diese Rezepte in der Apotheke nicht mehr einlöste. Ich behandelte mich mit allem was ich ass und trank. Deshalb glaube ich heute wieder an Wunder. Bemerkenswert, dass die Genesung eine Schwächung begleitet. Es ist wahr, in der Zeit des Schmerzes hatte ich wenig Bewegung. Mein aktuelles Training beschränkt sich auf Spaziergänge. Habe jedenfalls kein Appetit, und das Frühstück genügt mir.

 

22.07.2009

Genau vor 35 Jahren schien mir dass ich nach Warschau zurückkehre, am 22. Juli kam ich aus Amsterdam nach West-Berlin. Traf mich mit Christian Skrzyposzek zum Spaziergang in eine Galerie. Dort beschlossen wir eine Ausstellung zu organisieren. Innerhalb einer Woche! In dieser Nacht bei Christian entwarf ich ein Plakat und Einladungen. Nächsten Tag gingen sie schon in Druck. Ein ungewöhnlicher Sommer, eine ungewöhnliche Herzlichkeit. Der Pole war ein Held von hinter dem Eisernen Vorhang, und seine Bilder so poetisch und so polnisch. Ich malte in der Galerie, wohnte überwiegend in meinem VW-Bus, die Ausstellung (hier auf der Seite Print-Paintings) wurde ein Erfolg. Dieses Jahr kehrte ich nicht mehr zurück nach Polen, sondern fuhr wieder nach Stockholm.
Genau vor 30 Jahren war der Abend genau so warm wie heute. Ich wohnte in der Schlossstrasse in Charlottenburg wo ich im Garten beim Kerzenschein die letzten Sätze meines Romans 'Der Augenmensch' schrieb. Die 700 Seiten Text kürzte ich später auf 350. Die Verlegenheit des Autors ist geblieben und inzwischen sterben die Helden des Buches. Und ich? Verwundert das es ist so wie es war. Nichts hat sich geändert, vielleicht habe ich mich nicht weiter entwickelt, bin wie früher, weder glücklich noch unglücklich, ohne Hoffnung, ohne Illusionen, frei bis ins Mark.

23.07.2009

Kann mich nicht erinnern ob ich schon über meinen Besuch bei Carmelita in der Charite, geschrieben habe. - Der Krebs ist gut, er breitet sich schnell aus - scherzte ich und sie, stell dir vor, platzte beinah vor Lachen... Sie starb ein paar Tage später.
Krzysztof Freisler09, foto Wieslaw SadurskiChristoff besuchte mich regelmäßig, jede Woche oder alle zwei Wochen. Ein stattlicher Kerl; letztes Jahr tauschten wir uns aus über meine 54 Kilo und seine 128. Seit fünf Wochen ist er nicht mehr gekommen, also ging ich hin. Er öffnete ausgemagert und weiss, wie üblich bei der Arbeit, zwei Schreibmaschinen auf den Tischen, Stapel von Manuskripten. Ich überredete ihn einen Spaziergang ins Café zu machen. Dreihundert Meter dauerten fast eine Stunde.
Während des Spaziergangs bückte er sich nach einem verrostetem Nagel zwischen den Gehwegplatten. Triumfierend hebte er ihn auf, ich verstehe was er sagen will. Denn sein halbes Leben arbeitet er am Thema 'Nagel'. Ich schaue eher in den unruhigen Himmel während Christoff sich zum zweiten Mal bückt und einen Cent aufhebt.
Ich eher schweigend, Christoff redet leise, kaum hörbar. Er traf wieder viele wunderbare und ungewöhnliche Menschen, erfuhr Freundschaft und Verwunderung, hat viele schriftstellerische und bildnerische Pläne... Ich jammere auch darüber, dass ich in diesem Jahrhundert noch nicht am Meer war... Ich begleite ihn vom Café nach Hause, er muss ausschlafen, denn Morgen früh beginnt seine Chemotherapie... Er bückt sich abermals und findet eine bunte Kordel. Wir beschließen einen Meerspaziergang um den Wind zu schnuppern, wenn seine Chemotherapie beendet ist.

 

24.07.2009

Sechs Uhr früh, es ist hell, konnte nicht einschlafen, werde nicht schlafen. Diese Nacht drehte sich die Erde dreimal schneller als vorgestern. Zähle nach, wenn du nicht glaubst. Aber wisse, dass ich deiner Arithmetik nicht traue. Ich zweifle an deiner Algebra. Du kannst doch nicht mal bis Eins zählen!

 

28.07.2009

Vor kurzem sagte ich, dass ich weder glücklich noch unglücklich sei. Ich frage dich in der Wüste.., kann man den glücklich sein in einer Welt furchtbaren Unglücks? Dies scheint mir verlogen...
Anderseits, alltägliche Sichtweisen wie mit Regenbogenfarben im Wind glänzende Blätter, das Flackern der Sonne auf dem Wasser, fraktale Wolkengeometrie, im Wind wehende Welt.., sie bringen Glück.., wenn ich mich in sie verwandle. Es ist leicht und einfach, leidenschaftlich, wahrhaftig. Im reifen Alter allerdings schätze ich den Schlaf, vielleicht mehr als das Erwachen.

 

01.08.2009

An meinem vierten Geburtstag (vor 65 Jahren) war unser Garten voller russischer Soldaten, die sich an der Üppigkeit der roten Johannisbeeren und Himbeeren erfreuten. Es war ganz nett, allerdings haben einige Kosaken unseren weissen Hengst aus dem Stall weggeführt. Er war der ganze Stolz meines Vaters. Sie führten den austretenden Hengst über die Wiese... Schreiend lief meine Mutter zu dem Flüsschen in dem die Offiziere plantschten. Ein nackter Mann hob eine Pistole und schoss in die Luft. Kurz darauf lief der Hengst von sich aus in den Stall.
Mein Grossvater hängte seine spirale Antenne für sein Kristallradio zwischen zwei Apfelbäumchen. Während der Okkupation wurde sie Zuhause lediglich Nachts aufgehängt... Grossvater zeigte mir wie ich die Nadel auf den Kristall ausrichten soll. Im Kopfhörer ertönten unbekannte Worte...
Es kam Vaters Bruder Stefan aus Lublin, an den Händen haltend gingen wir auf die Felder um den Ernteertrag zu begutachten, der nicht rechtzeitig eingebracht werden konnte, der Katjuschas wegen...
Meine Auftritt: - Wer bist du? - Kleiner Pole... - Was ist dein Zeichen? - Der weisse Adler!
Ich erinnere mich nicht wann ich davon erfuhr, dass an meinem vierten Geburtstag der Warschauer Aufstand ausbrach. Ich weiss aber dass ich 1953 zum ersten und einzigem Mal in meinem Leben organisierte Ferien verbrachte. Es gab die schöne Gewohnheit beim Morgenappell den Geburtstagskindern zu gratulieren. Ich erklärte jedoch, dass es einen wichtigeren Grund zum feiern gäbe, nämlich des Jahrestag des Aufstands. Es herrschte beredtes Schweigen, einen unendlichen Moment lang waren die Vögel die Einzigen die zu vernehmen waren. In dieser Zeit existierte der Aufstand gar nicht, oder es wurde darauf gespuckt, dank Stalins Horden...
Die Spielereien der Geschichte; Historikertänze... Und Krzysztof Kamil Baczynski? Und was ist mit dem Schmerz? mit der Liebe? dem Mitgefühl? mit dem Wahnsinn?

Die Erinnerung gleicht einem Garten sich verästelnder Wege (Borges). Onkel Stefan kam jeden Sonntag und ich begleitete ihn auf seinen Spaziergängen und Gesprächen mit Vater. Beachte, diese Gespräche waren nur auf dem Feld sicher wenn da die fünfziger gerade angebrochen waren... Nachts löschte Vater erst das Licht, dann zog er die Vorhänge zu, anschliessend ging er ums Haus und Garten herum, um dann mit meinem Onkel BBC oder Radio Freies Europa einzustellen...
Ich war schockiert als er zu Mutter sagte: - Schlimmer als unter den Deutschen!
Nach den Posner Ereignissen von 1956 wurde es freier! Es wurden viele neue Bücher, Filme, Dokumente, Erkenntnisse und Erinnerungen publiziert. Durch die Verbindung mit meinem Geburtstag wurde ich quasi programmiert, ich las alles und schaute alles. Ehre der Unendlichkeit in allen ihren verdammten Erscheinungen! Ein halbes Leben früher hörte ich auf meinen Geburtstag zu begehen, gebäre mich jeden Tag neu, immer derselbe, immer ein Anderer. Der Warschauer Aufstand ersteht auch jedes Jahr neu! Oh, wie sich die Polen darüber zerstreiten können!
Meine Haltung? Keine, nur Schmerz und Mitgefühl.

 

03.08.2009

Seit eine Woche beschäftigt mich, wie soll ich es benennen? Idee? Zukunftvision? Postulat? WELT OHNE PRIVATEIGENTUM! Verwickle meine Freunde in Diskussionen zu diesem Thema, meditiere in der Sonne, versinke in Gedanken im Regen, und komme doch nicht voran. Schlimmer, ich erinnere mich an das letzte derartige Experiment, an das Pol-Pot Regime in Kambodscha, die ein Drittel der Bevölkerung umbrachte. Also sage ich mir: Vorsichtig mit Ideen!
Um Mitternacht ging mir auf, dass meine Ideen die Entwicklung des Bewusstseins berühren. Ein, höchstens zwei tausend Jahre wird es benötigen. Die Ewigkeit hält genügend Zeit bereit!

 

05.08.2009

Vor etwa 80 000 Jahren begannen verschiedene Stämme und Grossfamilien ihre Auswanderung aus Afrika und besiedelten so die ganze Erde. Diese Gruppen verfügten über keine innere Struktur, es gab keine Ränge und kein Eigentum. Es existierte kein Zeitgefühl, die Menschen lebten von einem Tag zum Anderen. Sie waren Jäger und Sammler, fertigten aber schon Werkzeuge und Kunstwerke, sie beobachteten die Sterne und führten schamanistische Rituale aus. Ihr Bewusstsein war noch geprägt von flüchtigen und wechselnden Eindrücken, vermutlich lebten sie in einer Einheit mit der Welt, ohne Außen und Innen unterscheiden zu können. Ihre Sprache war begrenzt auf Rufe und Schreie. Die Zeit der Stammeswanderungen dauerte etwa 70 000 Jahre und dass OHNE PRIVATEIGENTUM, in unbewusstem Zustand.
Vor etwa 10 000 bis 12 000 Jahren wandelte sich alles, die menschliche Revolution kam von Jahrhundert zu Jahrhundert, Jahr zu Jahr, voran. Die Menschen begannen zu säen und zu ernten, und bekamen dadurch ein Gefühl für die Zeit, denn wenn man sät, denkt man an die zukünftige Ernte. Zum ersten Mal in der Geschichte gab es Überfluss an Lebensmitteln. Es kamen auf: die Sprache, die Schrift, Städte und Staaten, Eroberungen und Kriege, Zivilisationen - schöne und schreckliche. Es entstanden neue Berufe, gesellschaftliche Unterschiede, Häuptlinge und Könige, Untertanen und Sklaven, Arme und Reiche... DIE WELT DES PRIVATEIGENTUMS...
Auf der Ebene des Individuums war die Revolution ebenfalls nachdrücklich, und es erschien das 'Ich'. Nicht nur getrennt von der äusseren Welt, sondern auch das Bewusstsein der eigenen Sterblichkeit. Dieses neue Bewusstsein dauert bis heute und es ist so übermächtig, dass du dir nicht vorstellen kannst, dass du nicht das 'ich' bist. Allerdings kommt eine neue Revolution bestimmt...
Die Welt der letzten 10 000 Jahre ist EINE WELT DES PRIVATEIGENTUMS, im mentalem Bewusstsein des Ego. Vielleicht noch Tausend oder zwei Tausend Jahre.., viel länger wird es nicht dauern. Die nächsten 3000 Jahre werden Zeiten des Überbewusstseins.

 

08.08.2009

Denke über die Entwicklung der Menschheit nach. Die Erste Grosse Auswanderungswelle der Humanoiden begann in Afrika vor etwa sechs Millionen Jahren. Man weiss lediglich, dass sie aufrecht gingen. Die Zweite Grosse Auswanderungswelle begann in Afrika vor etwa zwei Millionen Jahren. Hierüber wissen wir etwas mehr. Der letzte Neanderthale starb vor etwa 30 000 Jahren. Die Dritte Welle der Wanderung aus Afrika fand vor etwa 80 000 Jahren statt. Dies waren unsere unmittelbare Vorfahren. Die Menschheit verbreitete sich über alle Kontinente. Auf welche Gefahren trafen sie auf ihren Wanderungen? Säbelzahn Tiger, Bären, Krokodile, Schlangen, Mammuts und Wölfe.
Sie hatten es nicht schlecht!... Den auch in unserer Zeit wollen Menschen aus Afrika auswandern, obwohl es kaum noch Raubtiere gibt, welche sie bedrohen könnten. Dafür gibt es die Marineüberwachung, die Satellitengestützte Beobachtung, mit Glasscherben gespickte Mauern, Stacheldrahtverhaue, Lager und Deportationen.

 

Christoph Freisler 09, foto Wieslaw Sadurski11.08.2009

Heute Mittag starb Christoph Freisler, Ehre seinem Gedenken!
Also war das unser letztes Zusammenkommen und unser letztes Gespräch, siehe unten am 23.07. Ein letzter Blick in die Kamera. Und nun ist es doch passiert.

Meine paradoxe innere Überzeugung ist, dass jegliches was einmal erscheint, bleibt auf ewig. Das findet nicht in der Zeit statt. Wo dann? Hier, im Sein. Christoph's Begräbnistermin: Dienstag 25.08 um 13 Uhr - in Kreuzberg, Alter Louisenstadt Kirchhof am Südstern 8.

Die Urne in der Kapelle, foto Wieslaw Sadurski
Asche auf die Wiese, foto Wieslaw Sadurski
25.08.2009

am Dienstag verabschieden wir Christoph auf dem Friedhof in Kreuzberg. Er lebte hier über Jahrzehnte, also bleibt er Zuhause. Überwältigend seine Abwesenheit. Er ist intensiver anwesend als zu seiner Lebenszeit - sagen Freunde.



nach einem Leben, foto Wieslaw Sadurski
Die Urne in der Kapelle
Wir gehen mit seine Asche auf die Wiese, wo sich sein Ruheplatz
befindet nach einem Leben voll Farbe und Abenteuer.
wir versinken in Gedanken, foto Wieslaw Sadurski
Abschiedsnote, foto Wieslaw Sadurski
Agnes, foto Wieslaw Sadurski
Loch, foto Wieslaw Sadurski
Wir versinken in Gedanken, als Michael eine Abschiedsnote auf seinem Saxophon spielt.
Agnes
Meine Kamera schaut in das Loch im Gras,
indem die Urne ruht.
Der Reihe nach treten wir an die Schüssel mit Sand, um ihn auf die Urne zu streuen.
Ich geize damit nicht für meinen Freund, und schütte drei volle Hände...
Agnes, foto Wieslaw Sadurski
, foto Wieslaw Sadurski
Agnes,
Veronique, Michael

Der Tag ist heiss, wir schützen uns davor im Schatten des Parkkaffees.
Verblüffend welche Sympathie Christoph uns Posthum erweist, er erfreut uns und verbindet. Wir verbringen dort etwa zwei Stunden bei Gesprächen und Erinnerungen. Meine Tochter Veronique zweifelt nicht dass Alle sich zu uns einladen wollen. Sie spielt etwa eine Stunde mit Vincent, anschliessend fährt sie nach Hause.

, foto Wieslaw Sadurski
Sven, Hania
Wir kommen zu Hause an und oh was für eine Überraschung! Veronique bereitete ein leckeres Mittagessen vor! Eine wunderbare und laute Sitzung bis Mitternacht. - Wenn das Begräbnis so schön ist, lohnt es sich zu sterben - meint Ryszard.

Nachts blieb ich allein zurück. Tochter schlief schon, denn sie muss früh zu Arbeit. Eine Weile erhole ich mich in der Musik, räume das Geschirr auf, entstaube die Räume und spüle vor dem Schlafen alles ab. Es wird angenehm sein aufzuwachen im Aufgeräumten.
 

1.09.2009

Ich verbringe den Jahrestag des Kriegsanfanges und die Nacht vor dem Fernseher. Ungewöhnlich viele Reportagen, Dokumentationen und Beiträge im Fernsehen, aber nur BBC überträgt live aus Danzig. Dort sehe ich Kaczynski, Merkel, Tusk und Putin. Sehr sympathisch klingt unsere Frau Kanzlerin. Putin versucht sich noch herauszuwinden, aber scheint wohl zu wissen das der Wind schon woanders hinweht. Ich erfahre heute noch mehr, bis dahin unbekannte Taten der Brutalität und Ereignisse des Schreckens.
- Was bringt dir das Wissen? - fragt mich Michael - Um noch mehr zu leiden?
- Um mehr zu Leben - antworte ich.

 

7.09.2009

- Was hört man in Polen? Dasselbe wie in Deutschland! Politikerreden die sich um das Wohl der Kommune, der Stadt und der Nation und vor allem um die Menschheit sorgen. Es diskutieren weise Professoren und hauptberufliche Diskutanten über die Entstellung der Demokratie, über Bedrohungen seitens des Terrors und des Klimawandels. Erhabene Sonntags Predigten und tägliche Aufrufe. Und so weiter, und so weiter...
Kommt von diesen Stimmen bei dir etwas an? Ich gestehe, bei mir kommt fast nichts an! Ich kann kaum hören, denn allzu laut ist das Hintergrundrauschen - das Quieken von Millionen geschlachteten Schweinen!
Warum sind mir Diese manchmal näher als Menschen? - Denn sie sind unschuldig!

 
 

12.09.2009

Ich war so aufgewühlt dass ich die halbe Nacht durchgearbeitet habe. Kurz vor drei sehe ich eine glatte Landung der Discovery samt ihren sieben Astronauten auf dem Port Edwards Flugplatz. Nun kann ich in Ruhe einschlafen.
Früh Morgens gehe ich spazieren. Esse ein Käsebrot und trinke einen Tee in einem Cafe.
Dabei mache ich Notizen wie:
Als Kind warf meine Tochter die Scheibe unser Nachbarin ein. Ich fegte alles auf, nahm das Fenster heraus, säuberte es von den Resten aus Glas, Kitt und Nägeln, und brachte es zum Glaser. Nach eine Stunde Wartezeit in Cafe holte ich das renovierte Fenster ab, bezahlte und setzte es der Nachbarin ein.
In meiner Naivität glaubte ich mein Tun wäre normal. Doch im Lichte neuester Forschungen des Zentrums für Historische Forschung Berlin der Polnischen Akademie der Wissenschaften - war mein Verhalten idiotisch!
Ich schlage mich mit dem Barthaar an die Stirn! Hätte doch sagen können, das meine Tochter so etwas nicht macht, warscheinlich war es Anna Jagiellonka! Hätte lügen, kämpfen können - mit dem Glauben, dass wenn der Herbst kommt unsere Nachbarin vor Kälte selbst das Fenster repariert.
Ja so ist es, ich lebe im Staunen über so viel Unwissenheit.

 
14.09.2009
Meine Erfahrungen mit Polen, Berlin 2009.
Nur ein kleines Loch in meinem Bild,
doch welch schriller Wind weht hier,
trägt den Geruch aus Verlogenheit, Gemeinheit,
es friert das Herz.
Dziura w obrazie 2
 
 

Täter: Zentrum für Historische Forschung Berlin der Polnischen Akademie der Wissenschaften.
Ort: Ausstellung 'My Berlinczycy! / Wir Berliner!', Ephraim-Palais und Märkisches Museum, Berlin 20.03 - 14.06.2009

Siehe meinen Kommentar unten vom 20. März! War er die karmische Grundlage für die weiteren Ereignisse?

 

17.09.2009

Heute eine rhetorische Frage bezüglich der berühmten Ausstellung: - Kann ein Fisch gut schwimmen dessen Kopf stinkt?

 

19.09.2009

Bedauere kein Deutsche zu sein! In eine Woche Wahlen. Veranstaltungen, Diskussionen, Demonstrationen, das offentliche Leben lebendig und attraktiv. Wenn ich Deutsche wäre, würde ich wählen gehen. Ich weiß sogar für wen ich stimmen würde! Für die Jagiellonen Anna!

21.09.2009

Wie schade dass bestimmte Ausdrücke aus der polnische Sprache verschwinden! Sie waren völlig von den Bedingungen ihrer Umwelt abhängig. Zu Klärung - unternehmen wir eine Reise in das Land meiner Kindheit vor 60 Jahren. Die Pferdewagen der Bauern haben schmale, mit Eisen beschlagene Holzräder. Der Sand in den Furchen ist fein, vielfach gemahlen. Täglich treibe ich die Kühe auf die Weide am Wald und zurück. Unterwegs scheißen die Kühe, die großen Fladen fallen in die Furche. Die Wagenräder vermengen sie mit dem Sand.
So! Jetzt verstehst du das polnische Sprichwort: - Erfolgreich wie Scheiße in der Furche!


ACHTUNG!


Die Ausstellung 'My Berlinczycy! / Wir Berliner!', Ephraim-Palais und Märkisches Museum, Berlin 20.03. - 14.06.2009
wurde durch das Zentrum für Historische Forschung Berlin der Polnischen Akademie der Wissenschaften organisiert.

Hier ist mein Offener Brief - SIE ZERSTÖRTEN MEIN BILD. ZERSTÖREN SIE AUCH DEN MALER?

Ich lernte die Inkompetenz meiner, die Ausstellung ausführenden, Landsleute kennen.
Ich wurde mit falschen Informationen konfrontiert, durch die viel meiner Arbeit für die Katz war.
Und schließlich die Lügen über die Zerstörung meines Bildes!

Ich schicke gerade meinen BRIEF an sehr wichtige Empfänger,
die diese Ausstellung gefördert haben oder sie unterstützten mit Wort und Tat.

Ich richte diesen OFFENEN BRIEF auch an Dich!
Sieh mal wie der Künstler wegen des Ausstellung von dem polnischen Zentrum behandelt wird!

 

Wie?a stra?niczaWrony7.10.2009

Die Welt verbessert sich zu etwas Gutem. Nur die Krähen, Elster und Tauben setzen sich auf mein Fensterbrett im Atelier um ab und zu hereinzuschauen.
Noch vor 20 Jahren saß da gegenüber meines Fensters jemand in einem Wachturm auf der anderen Seite der Spree, der viele Jahre durch ein Fernglas zu mir herüber spähte. Gerade abends und nachts wenn der Wache langweilig war. Die Fenster des Ateliers waren immer hell. Es wurde gemalt, Gäste kamen und gingen.

Die Mädels aus dem Gymnasium kamen eines Tages um zu fragen, wie es sich lebt bei dem Herrn Gott hinter der Mauer.
Ich stellte fest, dass es in der realen Welt keine Mauer gab. Eigentlich war sie eine gemeinsame Halluzination, die auch nicht durch mit Stahl gerüsteten Beton realer wurde. Sie konnten nicht wirklich verstehen, was ich ihnen damit sagen wollte. Wahrscheinlich geht es Dir gerade genauso, während du das liest.

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