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SIE ZERSTÖRTEN MEIN BILD. ZERSTÖREN SIE AUCH DEN MALER?

OFFENER BRIEF


von Wis - Wieslaw Sadurski

Betrifft:

Organisation und Verlauf der Ausstellung
'My Berlinczycy! / Wir Berliner!', Ephraim-Palais und Märkisches Museum, Berlin 20.03. - 14.06.2009
und die Zerstörung meines Bildes 'Sehnsucht'
durch das Zentrum für Historische Forschung Berlin der Polnischen Akademie der Wissenschaften.

Empfänger:

- Herr Dr. Marek Prawda - Botschafter der Republik Polen in Deutschland
- Herr Bundespräsident a. D. Dr. Richard von Weizsäcker
- Herr Klaus Wowereit - Der regierende Bürgermeister von Berlin
- Herr Prof. Dr. Michal Kleiber - Präsident Polnische Akademie der Wissenschaften
- Herr Bogdan Zdrojewski - Polens Kulturminister
- Herr Radoslaw Sikorski - Polens Außenminister
- Hanna Gronkiewicz-Waltz - Präsidentin der Stadt Warschau
- Herr Prof. Wladyslaw Bartoszewski - Bevollmächtigter des Premierministers der Republik Polen
- Frau Dr. Franziska Nentwig - Generaldirektorin Stadtmuseum Berlin
- Herr Prof. Dr. Klaus W. Hempfer - Erster Vizepräsident der Freien Universität Berlin
- Frau Prof. Dr. Gertrud Pickhahn - Vorsitzende des Institutsrats des Osteuropa-Instituts
- Frau Monika Helbig - Europabeauftragte des Landes Berlin
- Stiftung der Deutsch-Polnische Zusammenarbeit
- Stiftung Polnisch-Deutsche Aussöhnung
- Muzeum Narodowe w Poznaniu
- Der Tagesspiegel
- Die Tageszeitung

 

Zur Kenntnisnahme:
der Polnischen, der Deutschen und der internationalen Internet-Gemeinde.

 

Info über den Autor dieses Offenen Briefes:
Maler und Dichter, geboren 1940 in Ost-Polen. '57-'60 Radiotechniker, '60-'66 Philosophiestudium an der Warschauer Universität. Lebe, stelle aus und arbeite seit '70 im Ausland (Stockholm, Amsterdam); seit '78 dauerhaft in (West-) Berlin. Seit '86 Vater von Veronique, seit '87 alleinerziehend in Kreuzberg. Ab '80 unternahm ich keinerlei Bemühungen um meine Arbeiten zu zeigen und trotzdem hatte ich viele Ausstellungen, zu denen ich eingeladen wurde. Sechs veröffentlichte Gedichtbände auf Polnisch und Deutsch. Einige Bilder für polnische, deutsche, niederländische und amerikanische Schulbücher.

1. ÜBER DIE ORGANISATION DER AUSSTELLUNG 'My Berlinczycy! / Wir Berliner!'
Zentrum für Historische Forschung Berlin der Polnischen Akademie der Wissenschaften.

 
Der organisatorische Ablauf der Ausstellung - in meinen Texten und E-Mails.
 

Herbst 2007: Anruf von Frau Esther Lühn. Werde eingeladen an der Ausstellung 'My Berlinczycy! / Wir Berliner!' teilzunehmen. Beim Besuch erläutert Frau Esther die Ausstellungsplanung.
Es wird ein Ausstellungskatalog heraus gegeben, man verspricht sich um den vollen Versicherungsschutz zu kümmern, es wird ein Ausstellungshonorar und ein fachgerechter Transport versprochen. Die Räume werden arrangiert wie im Cafe Schwarzer Bach hundert Jahre zuvor, als Przybyszewski dort den Fürsten gab. Im Cafe kann man Bilder und Dokumente frei anordnen.
Später wurden diese Pläne verworfen und man hat mich darüber nicht informiert.
Veronique zeigt Esther die Karten von meinen Bildern. Esther lobt den Vorschlag als eine angenehme Abwechslung für die Gäste. Ich schlage eine 40%-ige Beteiligung am Verkauferlös vor. Sie ist einverstanden. Veronique verpflichtet sich die Vorbereitungen zu übernehmen.

 
April 2008 erfolgt im Roten Rathaus Berlin eine Pressekonferenz in deren Verlauf eine Dia-Show mit Bildern der künftigen Ausstellung gezeigt wird. Sie fällt peinlich aus. Tochter rät zum Rückzug vom Projekt. - Die Ausstellung ist doch erst in einem Jahr - erwidere ich. - Genug Zeit für eine gute Vorbereitung.
 

15.12.08
Lieber Wieslaw Sadurski
/.../ Könnten Sie bitte 4-5 Werke auswählen und mir Fotos davon schicken und die Maße der Bilder? /.../ Ihre Werke kurz vor der Ausstellung mit einem Spezialtransport (das machen Fachleute und es wird mit Ihnen alles vertraglich festgehalten) bei Ihnen abgeholt werden. /.../
Mit herzlichen Grüßen Esther Lühn

 

17.12.08
Lieber Wieslaw,
vielen Dank für die schöne Auswahl! Ich habe bereits alle Bilder an die Ausstellungsdesignerin nach Poznan weitergeleitet, sie wird dann (eventuell in Rücksprache mit mir) die Auswahl treffen.
Ihnen und Ihrer Tochter schöne Feiertage und bis Bald Esther Lühn

 

28.01.09 ich schicke ein E-Mail:
Liebe Esther, alles Gute in 2009!
wie geht es weiter? Auswahl getroffen? Ausstellungs-Termine? Welche Künstler machen mit?
Liebe Grüße, Wieslaw

 

28.01.09
Lieber Wieslaw, ebenfalls alles Gute in 2009!
Ich habe die Bilder weitergeschickt. Leider habe ich bislang noch nichts darüber gehört, welche Bilder ausgewählt sind. Wir haben bei diesem Projekt, um es vorsichtig auszudrücken, ein großes Kommunikationsproblem. D.h., ich weiß nie, was dort gerade genau läuft und bekomme es auch selten mitgeteilt. Ich lasse es Sie aber sofort wissen, sobald ich Nachricht bekomme. Herzliche Grüße Esther Lühn

 

Dies war mein letzter Kontakt mit Esther. Schade, denn sie war eine kompetente Person. Seit dem läuft der Kontakt über Frau Joanna Schallert.

 

11.02.09

Sehr geehrte Herr, liebe Esther,
leider läuft uns die Zeit davon /.../ Wenn sie mit der Auswahl einverstanden sind oder eine andere Auswahl vorschlagen, wurde ich sie um eine schnelle Übermittlung der Bildkopien mit gute Auflösung bitten, damit wir sie im Ausstellungskatalog unterbringen können. /.../ Leider ist die Angelegenheit eilig. Bedanke mich im voraus und grüsse sie herzlich
Joanna Schallert
Projektkoordinatorin "My, berlinczycy!", Zentrum für Historische Forschung Berlin der Polnischen Akademie der Wissenschaften.

 
3.03.2009

Heute erfolgt die endgültige Bildauswahl beim Telefonat von Frau Joanna.
Die Wahl fiel auf die Bilder: 'Sehnsucht', 'Flug in Grün' und 'Schöpfung'. Das letzt genannte Bild 250 cm ist zu groß, deshalb wird ein 100 cm großer Kunstdruck auf Leinwand mit dem selben Motiv bestellt. Ich lasse es für 130 Euro auf eigene Kosten drucken. In der Ausstellung wird jedoch lediglich das Bild 'Sehnsucht' gezeigt.
Es folgt die Bitte von Frau Joanna, wegen des Versicherungsschutzes einen Preis für die Bilder festzulegen. Ich diktiere ihr die Preise. Sie spricht sie nach, um sie zu notieren.
Anfrage von Frau Joanna ob ich im Besitz von irgendwelchen Katalogen, Büchern usw. sei, die man für die Ausstellung verwenden könnte. Ich erstellte ein Buch mit meinen Bildern und lasse es für 120 Euro drucken. Es ist wunderschön. Man legte es in den Kassenraum um es vor Diebstahl zu schützen. Nach Ablauf der Ausstellung bekam ich das Buch im unberührten Zustand zurück. Offenbar wurde es von niemanden geöffnet.
 

18.03.2009

Der Bildertransport heute scheint mir wenig fachmännisch. Ich helfe beim Tragen und rette mein Bild 'Sehnsucht', in dem ich es nicht zulasse, das es auf eine scharfe Kartonecke gelegt wird!
Meine Tochter Veronique zählte und packte zwei Tage lang die Karten und erstellte ein Titelverzeichnis. Ich half ihr den Karton zu verschließen.
Habe weder Quittung noch einen Vertrag bekommen, obwohl es vereinbart war. - Wir hatten keine Zeit - lautet die Antwort. - Sofort nach der Ausstellungseröffnung schicken wir es mit der Post.
Vermutlich war man schon da nicht bereit ein Honorar zu zahlen und so ist der Vertrag auch nie bei mir angekommen. Ich frage: - Und was ist mit dem Katalog?
Die Antwort ist dieselbe: - Wir hatten für nichts Zeit. Wir werden ihn gleich nach der Vernissage drucken.

2. AUSSTELLUNG 'My Berlinczycy! / Wir Berliner!'
Zentrum für Historische Forschung Berlin der Polnischen Akademie der Wissenschaften.

Der Eindruck ist verheerend und diesem gebe ich Ausdruck in meinem Blog:



My Berlinczycy! / Wir Berliner!


Bilder einer Ausstellung - oder - wie hoch hüpfen polnische Adler?

Wir Berliner 1, foto Wieslaw Sadurski Wir Berliner 4, foto Wieslaw Sadurski Wir Berliner 5

20. März bis zum 14. Juni 2009

My Berlinczycy! / Wir Berliner! - die größte polnische Ausstellung aller Zeiten - 300 Jahre Polen in Berlin, in zwei Museen, Ephraim-Palais und Märkisches Museum. Hast du nichts besseres vor, dann schaue vorbei.

Viele Räume und jeder anders gestaltet! Man sieht sofort worum es geht!
Polnische AUSSTELLER STELLEN IHRE AUSSTELLUNGS-TALENTE AUS!

Die polnische BOURGEOISE FEIERT IHRE FEIERN! Ob polnische, deutsche oder chinesische - alle gleich...

 
 
Wir Berliner 2, foto Wieslaw Sadurski
Wir Berliner 3, foto Wieslaw Sadurski
 
Wir Berliner, Sehnsucht, foto und Ölbild Wieslaw Sadurski

Ich zeige Dir einige Fotos; achte auf die großen Buchstaben! Uff, so hart haben die Mädels und Jungs gearbeitet! Ob sie auch genug verdienten?

Man sieht viele Bilder, sogar ein Schönes, siehe links. Leider ohne Titel oder Name des Malers. Aber ein altes Radio steht darunter - und wenn dir etwas nicht gefällt, kannst du dich ausschalten!

Bravo polnische Adler! Alles ist durchdacht, d.h. ausgedacht und prätentiös. Kein Wort vom berühmten polnischen Markt und polnischen Punks in Berlin. Sie passen nicht in ihre Vorstellungen und ihre Verdienste.

Ich erinnere mich an Künstlerfreunde in meiner Jugend die im Frühling verbissen an ihren graphischen Projekten zur Arbeiter- und Bauernfeier am 1. Mai arbeiteten. Das war der größte Reibach des Jahres. Hier in Berlin macht die Posner Werkstatt 'Ptasia 30' den Reibach ihres Lebens.
Gestalterische und plastische Konzeption der Ausstellung: Danuta Slomczynska.
Graphische Bearbeitung: Sylwia Klimczak, Rafal Koczan, Marcin Markowski, Robert Mieniok, Pawel Szurek.
Technische Bearbeitung: Eliza Karczynska, Katarzyna Mucha-Wisniewska, Zuzanna Paul.
Umsetzung: Mitarbeiter von 'Pracownia Ptasia 30'.
Ich führe eure Namen auf damit klar ist wem ich diesen Vorfall verdanke!
Und ich bin voll verrückt mich damit zu befassen.

 

Ich war empört über die Ausstellung. Sie hatte nichts mit dem zu tun, was abgesprochen war. Von drei bestellten Bildern wurde lediglich eines aufgehängt und das auch noch OHNE NENNUNG VON AUTOR UND TITEL.
Tochter und Freunde drängten mich zu intervenieren. Dies VERLETZT MEINE URHEBERRECHTE. Aber:
- Eines Tages endet die Ausstellung. Ich bekomme meine Bilder zurück und vergesse diese Inkompetenz - sagte ich.


3. NACH DER AUSSTELLUNG 'My Berlinczycy! / Wir Berliner!'
Zentrum für Historische Forschung Berlin der Polnischen Akademie der Wissenschaften.

Nach dem Ende der Ausstellung am 14.06.2009 beginnt mein Lehrgang im Angewandten Martyrium. Unten ein weiteres Zitat aus meinem Blog. Geschrieben in Zustand von Paranoia.


11.07.2009


Zugegeben, im März schrieb ich über die Ausstellung My Berlinczycy! / Wir Berliner! etwas ironisch.
Am 18 März holten die Organisatoren von 'My Berlinczycy! / Wir Berliner!' drei meiner Bilder ab. Sie sollten dort bis zum 14. Juni verbleiben.

15.06 Anruf: - Rücktransport am 18.06 um die Mittagszeit.
18.06 Anruf am Mittag: - Wir haben kein Auto heute. Anruf so bald wie möglich...
Frau Joanna erkundigt sich nach dem Preis des Bildes 'Sehnsucht'. Meine Antwort: - Preis gleicht der Versicherungshöhe. - Ich wundere mich dass sie Kaufinteresse zeigt, aber, mein Gott, es ist eines der besten Bilder meines Lebens! Zwei Jahre Arbeit und frisch wie der Erste Morgen.
24.06 Anruf: - Transport am 29.06 um die Mittagszeit.
29.06 Anruf am Mittag: - Der Sohn ist krank, wir müssen den Transport um ywei Tage verschieben.

06.07.09 ich sende eine E-Mail:
Frau Joanna,
es sind drei Wochen seit dem Ende der Ausstellung vergangen. Es ist Zeit sich zu sorgen. Ich bitte um einen (dritten) Termin für den Transport: drei Bilder, Karten und Katalog.
Gruß
Wieslaw Sadurski


07.07.09 E-Mail:
Sehr geehrter Herr,
leider konnte ich sie weder gestern Abend noch heute Morgen telefonisch erreichen. Werde weiterhin ausdauernd probieren. Ich bitte darum, um einen Terminvorschlag der ihnen zusagen würde. Herzliche Grüsse, Joanna


Ich sage: besser spät als nie, als Frau Joanna den Transport für Donnerstag den 09.07. Mittags avisiert. Und tatsächlich, es klingelt, ich renne die Treppe hinab um beim Tragen zu helfen. Die Dame trägt zwei kleine Leinwände, und ihr Begleiter einen Karton. Und wo ist das große Bild?
Verkauft?
- Neee! Das Bild hat in der Mitte ein Loch, deshalb haben wir es nicht dabei. Leider galt die Versicherung ausschließlich für die Zeit der Ausstellung - lässt die Dame eine unverschämte Bemerkung fallen. Es folgen viele Entschuldigungen, schon ist die Rede von einem Restaurator, der es reparieren wird.


Ich schreibe es nicht um meine Gefühle zu exponieren, sondern weil mir die Fakten wichtig sind:

09.07.09 18:45:38 sende eine E-Mail:
Frau Joanna,
/.../ Bemerkung - Versicherung gilt von Schwelle zu Schwelle - klingt komisch nach dem Fakt. /.../ Selbst nach der besten Restauration des Bildes ist es im Wert gemindert, deshalb steht dem Autor eine Entschädigung zu. Ich sollte mich nach der Reparatur des Werkes an den Restaurator wenden um das Ergebnis zu akzeptieren - und dies in Anwesenheit eines Gutachters, der die Wertminderung schriftlich festhält. /.../
Grüsse mit Herzschmerz,
wieslaw


Abends 10.07. habe ich Besuch von Künstlerkollegen und schildere ihnen die Angelegenheit. Norbert las im März meiner Kritik zu diese Ausstellung, jetzt ist er amüsiert:
- Du hast dich lustig gemacht über die polnischen Adler. Das hast du nun davon. Zweifellos schlug die Adlerkralle in die Leinwand! Sei froh dass du dir keine blutige Nase geholt hast!

10.07.09, als die Gäste gingen, sandte ich eine E-Mail:
Frau Joanna,
waren sie anwesend während das Bild beschädigt wurde?
Wissen sie, wer es getan hat?
Gibt es Zeugen des Vorfalls?
Sind sie sicher, dass die Beschädigung durch Zufall aufgetreten ist, oder war es vielleicht ein Akt der Böswilligkeit?
Dass sind wichtige Fragen und begründete Verdachtsmomente.
Vielleicht ist es eine Sache für die Polizei
wieslaw


Ich schreibe dies am Samstag dem 11.07, um meine Seelenqualen zu mindern. Lasse mir Zeit bis Montag. Dann spreche ich mit dem Anwalt darüber. Eventuell gehe ich anschließend zu Polizei.

 

Mein Blog zeigt Wirkung. Die nächste Woche wird Arbeitsintensiv. Herr Direktor des Zentrums Robert Traba ist über die Ereignisse informiert. Wir werden uns um eine gütliche Einigung bemühen. Das obige Blogfragment lösche ich nach dem Telefonat mit Herrn Traba, um niemanden zu verärgern. Doch seit dem verkehrt man mit mir ausschließlich per Telefon.
Frau Joanna versichert mir, dass es ein Unfall bei der Arbeit war.
Wir vereinbaren das weitere Vorgehen. Sie kenne einen diplomierten Restaurator, der für einige Museen arbeitet. Frau Joanna erklärt sich bereit einen Gutachter zu beauftragen um eine Expertise zu erstellen. Anschließend will sie das Bild restaurieren lassen und den entstandenen Wertverlust des Bildes ersetzen.
Die Verabredung scheint mir vernünftig.

Eines Tages sieht Veronique, die noch nichts von dem zerstörten Bild weiß, dass der Karton mit den Karten nicht einmal geöffnet wurde. Die in Kreuzberg geborene Patriotin mit polnischem Pass, würde ihn jetzt am liebsten zerreißen, weil sie ihre Arbeit in keine Weise geachtet sieht.

 
Das Gutachten bekomme ich per E-Mail.
 


Lluisa Sarries i Zgonc, Restauratorin für Gemälde und Kunstobjekte

Frau Joanna Schallert
Zentrum für Historische Forschung Berlin der Polnischen Akademie der Wissenschaften
Majakowskiring 47
13156 Berlin

15.7. 2009 Gutachten

Gutachten zum beschädigten Bild von Wieslaw Sadurski:

Titel: 'Sehnsucht'
Datum: 1982-84
Maße: 150 x 120 cm
Technik: Ölfarbe auf Leinwand

Während eines Transports innerhalb des Gebäudes der Polnischen Akademie der Wissenschaften in Berlin ist ein Mitarbeiter des Zentrums gestolpert und dabei mit einem Bild gegen einen Gegendstand gestoßen. Daher ist einen Loch in der Mitte der bemalten Fläche entstanden.


Befund:

Folgender Schaden ist erkennbar:

- Ein ca. 4 cm Ø Loch in der Mitte des Gemäldes

- In diesem Bereich ist ein Verlust der Grundierung und von der Farbschicht zu erkennen.

Maßnahmen:

Zunächst sollte die Leinwand im Bereich des Schadens planiert werden. Danach werden die lockere Stellen (Grundierung und Farbschicht) befestigt.

Das Loch bzw. die gerissene Leinwand wird nachträglich geflickt. Wichtig ist es keinen großen Flicken zu verkleben. Durch die Alterung des Materials können die Flicken mit der Zeit von vorne sichtbar werden. Es ist wünschenswert den Riss durch Klebung mit kurzem Faden zu stabilisieren.
Die Fehlstelle wird danach gekittet und die Struktur der Oberfläche bearbeitet.
Zum Schluss sollte die gekittete Stelle retuschiert werden. Dabei wird auch der Glanz angepasst.

Durch die fachgerechte Restaurierung ist zu erreichen, dass der Schaden nicht mehr sichtbar ist. Trotzdem ergibt sich aufgrund des Schadens eine Wertminderung des Bildes.

Mit freundlichen Grüßen

Lluisa Sarries i Zgonc

 
Das Gutachten lässt mich auf die Wiederbelebung des Bildes hoffen. Nach Abschluss diese Expertise wurde ein Restaurator mit der Reparatur beauftragt.
 
Mitte August ein Anruf der Sekretärin Anna Molenda: die 'Sehnsucht' ist wiederhergestellt, Herr Direktor Robert Traba wird mir das Bild zurückbringen.
- Aber wir hatten doch vereinbart dass nach der Reparatur ein zweites Gutachten gemacht werden sollte - erwiderte ich. - Ich frage mich ob meine Anwesenheit während der zweiten Begutachtung erforderlich ist.
- Ja, aber das Bild ist bereits restauriert und außerdem fährt Herr Direktor Robert Traba am Freitag in Urlaub von dem er erst Ende September zurückkehrt. Anschließend würde er gern mit ihnen sprechen. Und der Gutachter könnte diesmal zu ihnen nach Hause kommen!
Die Hartnäckigkeit der Argumente scheint mir überflüssig, aber ich stimme dem Besuch zu. Ich hege keinen Argwohn.
 
Herr Direktor Robert Traba bringt das Bild. Ich stelle es auf die Staffelei und betrachte es ohne Kommentar, denn ich bin ja kein Experte. Sehe allerdings, dass die Arbeit entgegen den Empfehlungen des Gutachtens ausgeführt wurde. Herr Direktor Robert Traba bestätigt die mit Frau Joanna getroffene Absprache, dass das Zentrum die Kosten der Reparatur und des Wertverlustes des Bildes übernimmt.
 
Am 26.08 kommt die Expertin. Sie untersucht das Bild gewissenhaft. Sie macht sich jede Menge Notizen und ein paar Tage später bekomme ich das Gutachten per E-Mail.
 

Lluisa Sarries i Zgonc
Restauratorin für Gemälde und Kunstobjekte

Frau Anna Molenda
Zentrum für Historische Forschung Berlin der Polnischen Akademie der Wissenschaften
Majakowskiring 47
13156 Berlin

27.8. 2009 Gutachten

Gutachten zum beschädigten Bild von Wieslaw Sadurski:

Titel: 'Sehnsucht'
Datum: 1982-84
Maße: 150 x 120 cm
Technik: Ölfarbe auf Leinwand

Am 26. August 2009 habe ich die Wohnung des Malers Wieslaw Sadurski in Berlin besucht, um den Zustand des Bildes 'Sehnsucht' nach der Restaurierung zu begutachten.

Befund:

das Bild wurde nicht zufrieden stellend restauriert.

- Das Loch wurde von der Rückseite des Gemäldes mit einem Flicken gesichert. Da die Struktur der Leinwand nicht wieder hergestellt wurde ist die Kittung von der Rückseite durch den Flicken zu sehen.

- Als Flicken wurde nur eine dünne, plastifizierte Gase verwendet. Diese kann sich sehr schnell von der Rückseite des Werkes ablösen. In diesem Fall wäre das Loch wieder offen.

- Von der Vorderseite des Werkes ist zu erkennen, dass die beschädigten Stellen nicht vollständig grundiert wurden und daher an einigen kleineren Stellen keine Kittung haben.

- Die Struktur der grundierten Stellen wurde an der Oberfläche nicht bearbeitet, sodass der beschädigte Bereich sehr klar zu erkennen ist.

- Der Farbauftrag ist der Intensität der Farbe rund um den beschädigten Bereich nicht angepasst. Im allgemein ist die Retusche zu dunkel.

- Bei der Lieferung wurde ein ca. 20 cm langes schlangenformiges Craquelé entdeckt. Es befindet sich an der oberen rechten Ecke des Gemäldes. Dieser Schaden ist irreparabel.

Zusammenfassung:

Leider ist das Bild nicht mit besonderer Sorgfalt und auch nicht sachgemäß restauriert worden. Dadurch, dass der Schaden sichtbar zurückbleibt, kann dieses Gemälde nicht mehr zum Verkauf angeboten werden. Der Wertverlust ist zu groß um das Bild verkaufen zu können.

Mit freundlichen Grüßen
Lluisa Sarries i Zgonc


E P I L O G
 

Am 04.09.2009
ruft mich Frau Ewa Krzeminska aus dem polnischem Zentrum an.
Wir verabreden ein Treffen am 09.09. Sie bringt ein Schreiben vom Restaurator mit, welches erklären soll, was, wie und warum er gemacht hat.
- Bitte verschonen Sie mich mit den Bekenntnissen eines Pfuschers - sage ich und lehne es ab den Brief zu lesen. - Denn Gutachten besagt, dass die Restaurierung nicht sachgemäß ausgeführt wurde und man das Bild nicht weiter verkaufen kann. Ich bitte sie die Entschädigung zu zahlen oder das Bild zu kaufen, so wie es Frau Joanna ursprünglich vorhatte.

Wir reden im Esszimmer. Meine Tochter kommt rein und brüht sich einen Tee. Hört eine Weile zu und beginnt plötzlich laut zu reden:
- Wie könnt ihr es wagen hierher zu kommen! Ihr habt das Bild meines Vaters zerstört. Und nun kommt ihr um zu lügen und zu betrügen! Es ist das einzige was ihr gut könnt! Eure ganze Ausstellung war doch eine Lüge! Seit ihr euch darüber im Klaren, wie viele Besucher des Museums sich für ihr Polentum schämen mussten? Das ist euer Verdienst!
Frau Ewa stellt fest, dass die Ausstellung für eine Auszeichnung vorgeschlagen wurde.
- Das hat noch gefehlt! Die Vorbereitungen der Ausstellung waren skandalös, die Präsentation war prätentiös und dumm, und dass was nach dem Ende der Ausstellung folgte, diese Lügen, dafür gebührt euch ein Preis! Antipolnisch ist euer Tun! - Sie geht und knallt die Tür zu.

Ich erfahre nicht warum das Bild nicht versichert war und wer dafür verantwortlich ist.
Auch die Zerstörung des Bildes bleibt ein Geheimnis des Zentrums.
Frau Ewa Krzeminska erklärt dass das Zentrum für Historische Forschung Berlin der Polnischen Akademie der Wissenschaften es ablehnt eine Entschädigung zu zahlen. Sie haben wohl kein Geld dafür! Das Budget für 2010 gibt das nicht her! Sie haben kein Geld für den Künstler. Sie haben kein Geld um das Bild zu kaufen. Aber Geld für Anwälte, Gutachten, Prozesskosten und nächste Gerichtsinstanzen ist wohl vorhanden, denn sie kommen aus der Staatskasse.
Ich kann die Sache vor Gericht bringen. Aber diese ganze Aktion hat mich schon hundert Stunden meines Lebens gekostet! Ein Prozess kann Jahre dauern.
Darum frage ich im Titel des Offenen Briefes: - ZERSTÖREN SIE AUCH DEN MALER?

Das Zentrum für Historische Forschung Berlin der Polnischen Akademie der Wissenschaften scheint bereits gut auf ein Gerichtsverfahren vorbereitet zu sein.
Herr Direktor Robert Traba prüfte das Bild nach der Reparatur und ahnte wohl dass das Gutachten für ihn negativ ausfallen würde. Vor dem zweiten Gutachten brachte er mir das Bild nach Hause, weil er wusste, dass das Gutachten, welches bei mir zu Hause gemacht wurde, vor Gericht angezweifelt werden kann, weil es bei mir zu Hause stattfand!
In der Umgangsprache heißt das Politik, in meiner Muttersprache nenne ich so was Schande.

 

Deshalb schreibe ich diesen Offenen Brief. Meine private Angelegenheit wird so zur einer Öffentlichen.
Ich bin ratlos. Erhoffe Rat und Beistand vom Leser.

Oktober 2009
 
Mit freundlichen Grüßen
 

Wieslaw Sadurski
Koepenicker Str. 154 A
10997 Berlin
Tel.: ++ 49 30 612 49 44

 

 
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